Was ist ein ein Reservist ? Wie wird man Reservist ?

Sie haben in der Bundeswehr gedient? Herzlichen Glückwunsch, dann sind Sie Teil der Reserve. Denn Reservist ist zunächst einmal jeder, der mindestens einen Tag in der Bundeswehr gedient hat und seinen Dienstgrad nicht verloren hat – ob als Grundwehrdienstleistender, als Soldat auf Zeit oder ehemaliger Berufssoldat. Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst erhält jeder ganz automatisch den Status „Reservist“.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Möglichkeiten, als Zivilist Angehöriger der Reserve zu werden. Das kann zum Beispiel eine klassische Laufbahnausbildung zum Reserveoffizier oder der Seiteneinstieg mit höherem Dienstgrad über eine abgeschlossene Hochschulausbildung gemäß Paragraph 43 (3) in Verbindung mit Paragraph 26 (2) oder Paragraph 26 (4) Soldatenlaufbahnverordnung (SLV) sein.

Definition: Reservistenkameradschaft

Eine Reservistenkameradschaft ist ein meist regionaler Zusammenschluss von Reservisten. Die meisten Reservistenkameradschaften sind in Deutschland im Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V.(VdRBw) zusammengeschlossen, zu dem jedoch auch andere Gliederungen wie Reservistenarbeitsgemeinschaften (RAG) und Arbeitskreise gehören.

Wie werde ich Reservist ?

Mitglied in einer Reservistenkameradschaft kann werden, wer die folgenden Voraussetzungen erfüllt:

  • als ordentliches Mitglied: Reservisten (ehemalige Soldaten) der Bundeswehr. In Deutschland gelten alle früheren Soldaten der Bundeswehr, die ihren Dienstgrad nicht verloren haben, sowie Personen, die aufgrund einer mit dem Bund eingegangenen Verpflichtung zu einer Wehrdienstleistung nach dem Vierten Abschnitt des Soldatengesetzes herangezogen werden können, alsReservist

  • als außerordentliches Mitglied: aktive Angehörige der Bundeswehr, sowie Angehörige und ehemalige Angehörige von ausländischen Streitkräften

  • als förderndes Mitglied: alle übrigen Personen, u.a. auch Polizei, Bundespolizei

Der Unterschied besteht darin, dass nur ordentliche Mitglieder Mandate ab einer bestimmten Ebene wahrnehmen dürfen (z.B. Vorsitzender einer Reservistenkameradschaft)

Aufgaben der Reserve

Reservisten sind ein unverzichtbarer Teil der Streitkräfte. Sie gewährleisten den Aufwuchs und die Durchhaltefähigkeit der Streitkräfte in Krisenzeiten. Sie engagieren sich mit großem Einsatz als Mittler für die Bundeswehr in der Gesellschaft. Reservisten ergänzen und verstärken die Fähigkeiten der Bundeswehr durch ihre zivilen Qualifikationen, unterstützen bei Hilfeleistungen im Inneren und im Ausland, durch die Besetzung vakanter Dienstposten im Inland und durch Kenntnisse, die in besonderen Auslandsverwendungen benötigt werden. Reservisten können nach Absprache mit dem jeweiligen Truppenteil auf so genannte Spiegeldienstposten beordert werden. Während einer Übung können sie bei Bedarf dann die entsprechenden Soldaten aus der aktiven  Truppe vertreten, beziehungsweise die entsprechenden Aufgaben wahrnehmen, um die Aufträge erfüllen zu können. Das Engagement ist in Friedenszeiten freiwillig.

Geschichtliche Entwicklung

Historisch gesehen hat in Mitteleuropa das Reservistenwesen erstmals nach der preußischen Niederlage in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt große Bedeutung erlangt. Napoleon zwang am 9. Juli 1807 in dem Friedensschluss von Tilsit Preußen neben größeren Gebietsabtretungen auch zu einer drastischen Reduzierung der Armeestärke. Die preußische Armee durfte nunmehr nicht stärker als 42.000 Mann sein.
Das Krümpersystem, das durch den Heeresreformer Scharnhorst in der preußischen Armee eingeführt wurde, sah eine Kurzausbildung der Rekruten vor, die im Kriegsfalle als Reservisten das Heer beträchtlich vergrößern konnten. Der Verringerung der Armeestärke war somit die gewünschte Wirkung vorenthalten und in den kommenden Kriegen konnte Preußen auf eine große Zahl ausgebildeter Soldaten zurückgreifen.

Schon im deutschen Kaiserreich wurden den Reservisten nach dem abgeleisteten Wehrdienst sogenannte Kriegsbeordungen ausgehändigt, die genaue Anweisungen für das Verhalten des Reservisten im Kriegsfalle auflisteten.

der Einsatz im Friedensfall

Reservisten sind integraler Bestandteil der Bundeswehr. Sie sind die Voraussetzung für die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte nicht nur im Verteidigungsfall, sondern bereits im Frieden.

* bei besonderen Auslandseinsätzen
* Hilfeleistung im Innern als Beauftragte der Bundeswehr für die Zivil-Militärische Zusammenarbeit, als Angehöriger eines Verbindungskommandos oder bei einem der nichtaktiven Truppenteile
* Durchführung des Grundbetriebes als Vertreter für im Ausland befindliche Soldaten

Reservisten können über ihre aktive Dienstzeit hinaus in der Bundeswehr aktiv sein. Dies geschieht durch (inzwischen überwiegend freiwillige) Wehrübungen (WÜb) oder Dienstliche Veranstaltungen (DVag). Außerhalb der Bundeswehr organisiert der Reservistenverband als besonders beauftragter Träger die “beorderungsunabhängige freiwillige Reservistenarbeit”.

Alle ungedienten Wehrpflichtigen gehören dagegen zur Ersatzreserve, die nur im Verteidigungsfall zum Militärdienst eingezogen wird.

Verbände

Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. (VdRBw e.V.) ist der vom Deutschen Bundestag beauftragte Verband für die Reservistenarbeit außerhalb der Bundeswehr und hat deutschlandweit aktuell ca. 115.000 Mitglieder, die vor Ort in mehr als 3000 Reservistenkameradschaften und RAG/AK organisiert sind.
Der Bayerische Soldatenbund Bayerische Soldatenbund 1874 e.V. (BSB) vertritt vor allem Kriegerkameradenschaften und nun auch Reservisten der Bundeswehr.

Einsätze und Verluste von Reservisten

Bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr sind regelmäßig auch Reservisten eingesetzt und nutzen dort meist in Spezialfunktionen ihre im Zivilleben erworbenen Kenntnisse. So waren im Dezember 2006 von rund 8400 Soldaten im Auslandseinsatz mehr als 500 Reservisten und weitere 716 sogenannte “Freiwillig zusätzliche Wehrdienst-Leistende”. Reservisten sind z.B. als Sprachmittler, bei der Feldpost oder im Bereich der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit tätig.

Am 14. November 2005 kam in Kabul durch einen Selbstmordanschlag ein Oberstleutnant d.R. ums Leben. Am 19. Mai 2007 starben ein Hauptmann d.R., sowie zwei Oberfeldwebel d.R. in Kundus.

Grundsätze für Reserven

Die Bildung von Reserven im oder für den Kampf ist eine allgemeine taktische Forderung. Ab Bataillonsebene aufwärts ist stets eine Reserve zu bilden. Kompanien können eine Reserve zurückhalten. Unterhalb der Kompanieebene werden keine Reserven gebildet. Im Gegensatz zur operativen Reserve gehören zur taktischen Reserve bis zur Regimentsebene grundsätzlich keine Unterstützungswaffen (wie Panzerjäger, Artillerie, Heeresflieger, Pioniere usw.), sondern ausschließlich Kampftruppen. Als Faustregel für die Größenordnung der Reserve werden ein Viertel bis ein Drittel der jeweiligen Truppe genannt. Vorherige Aufgabe einer Reserve kann die Verzögerung von Feindkräften sein.

Reserven halten sich gegen feindliche Aufklärung versteckt und gegen feindliche Waffenwirkung möglichst geschützt in Bereitstellungsräumen auf, die ihnen vom verantwortlichen militärischen Führer zugewiesen werden, und von denen aus sie ihre Einsatzräume schnell erreichen können. Sie dürfen nur auf Befehl des militärischen Führers eingesetzt werden, der ihre Bildung befohlen hat. Sobald eine Reserve eingesetzt wurde, ist eine neue Reserve zu bilden.

Quellenverzeichnis
Broschüre „Reservist – Ihre zweite Karriere“ (2017), Herausgeber: Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr
Streitkräftegemeinsames Konzept für die Ausbildung der Reserve in der Bundeswehr (2013)

Internet:
www.bundeswehr.de
www.reservistenverband.de